Postbank Wohnatlas 2026 prognostiziert: Wo Eigentumswohnungen bis 2035 real an Wert gewinnen
Moderates Plus im Schnitt, starke regionale Unterschiede entscheiden über Gewinner und Verlierer
Der aktuelle Postbank Wohnatlas, erstellt vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut unter Leitung von Dr. Dirck Süß, zeichnet ein differenziertes Bild für den Immobilienmarkt bis 2035. Im bundesweiten Mittel erwartet das Institut einen inflationsbereinigten Zuwachs der Kaufpreise für bestehende Eigentumswohnungen von 0,41 Prozent pro Jahr. Hinter diesem Durchschnitt verbergen sich jedoch große regionale Unterschiede: Einige Landkreise und Städte dürften deutlich stärkere Wertzuwächse erleben, andere Regionen verlieren an Boden.
Manuel Beermann, Leiter Produktmanagement Immobilien bei der Postbank, fasst die Lage so zusammen: «Die sozioökonomische Lage, also wirtschaftliche Stärke und demografische Entwicklung, wird künftig maßgeblich über Wertentwicklung entscheiden.» Demnach profitieren vor allem Regionen mit positiver Bevölkerungsentwicklung und stabiler Wirtschaftsstruktur. Dagegen sind strukturschwache und stark ländlich geprägte Gebiete seltener Gewinner.
Hervorstechende Regionen und Bundesländer
Das HWWI prognostiziert für dreizehn Bundesländer steigende reale Kaufpreise bis 2035. Besonders kräftige Zuwächse sehen die Forscher in Schleswig-Holstein mit durchschnittlich 0,8 Prozent pro Jahr. Auch Berlin und Bayern liegen mit etwas mehr als 0,6 Prozent vorn, dicht gefolgt von BadenWürttemberg, Brandenburg und Hessen mit knapp unter 0,6 Prozent. Im Gegenzug stehen SachsenAnhalt (durchschnittlich minus 0,5 Prozent pro Jahr), Thüringen (minus 0,2 Prozent) und Sachsen (minus 0,1 Prozent), wo vor allem ländliche Regionen aufgrund erwarteter Bevölkerungsrückgänge unter Druck geraten dürften.
Topregionen bis 2035
Besonders hohe durchschnittliche reale Zuwächse prognostiziert das HWWI für einzelne Landkreise und Städte. Angeführt wird die Liste von Leipzig mit einem erwarteten jährlichen Plus von 1,90 Prozent (2025: rund 3.205 Euro pro Quadratmeter). Auffällig ist die starke Präsenz brandenburgischer Landkreise in den TopTen, ebenso bayerische Regionen mit höheren Preisniveaus.
- 1 Leipzig (Sachsen): +1,90 Prozent, 2025 etwa 3.205 Euro/m²
- 2 Barnim (Brandenburg): +1,49 Prozent, 2025 etwa 3.048 Euro/m²
- 3 TeltowFläming (Brandenburg): +1,40 Prozent, 2025 etwa 3.216 Euro/m²
- 4 DahmeSpreewald (Brandenburg): +1,38 Prozent, 2025 etwa 3.444 Euro/m²
- 5 Berchtesgadener Land (Bayern): +1,32 Prozent, 2025 etwa 4.339 Euro/m²
- 6 Oberhavel (Brandenburg): +1,31 Prozent, 2025 etwa 3.527 Euro/m²
- 7 PotsdamMittelmark (Brandenburg): +1,27 Prozent, 2025 etwa 3.833 Euro/m²
- 8 Segeberg (SchleswigHolstein): +1,26 Prozent, 2025 etwa 3.240 Euro/m²
- 9 Wetteraukreis (Hessen): +1,24 Prozent, 2025 etwa 3.655 Euro/m²
- 10 Ostallgäu (Bayern): +1,22 Prozent, 2025 etwa 4.191 Euro/m²
Großstädte: Keine Verluste erwartet
Für alle deutschen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern sagt das HWWI mindestens stabile, meist steigende Preise bis 2035 voraus. Leipzig führt auch in der Großstadtliste mit 1,9 Prozent Wachstum pro Jahr. Weitere Städte mit überdurchschnittlichen Zuwächsen sind Ludwigshafen, Dresden und Bonn. Bemerkenswert ist, dass in keiner der untersuchten Großstädte ein Kaufpreisverlust prognostiziert wird.
- Leipzig (Stadt): +1,9 Prozent, 2025 etwa 3.205 Euro/m²
- Ludwigshafen am Rhein: +1,2 Prozent, 2025 etwa 2.859 Euro/m²
- Dresden: +1,13 Prozent, 2025 etwa 3.205 Euro/m²
- Bonn: +0,91 Prozent, 2025 etwa 4.114 Euro/m²
- Erlangen: +0,89 Prozent, 2025 etwa 4.472 Euro/m²
Methodik und Ausblick
Die Kaufpreisprognose basiert auf dem HWWIWohnungsmarktmodell, das Angebots und Nachfragedaten für 400 kreisfreie Städte und Landkreise zusammenführt. Berücksichtigt werden Bevölkerungsstruktur, Haushaltsgrößen, Einkommensentwicklung, Wohnausgaben und Wohnungsangebote. Aus dem Zusammenspiel dieser Faktoren resultiert der ausgewiesene durchschnittliche jährliche reale Preistrend bis 2035.
Die Studie betont, dass es sich um regionale Durchschnittswerte handelt. Die tatsächliche Entwicklung einzelner Objekte hängt stark von Lage, Infrastruktur, Mikrostandort und Nachfrage vor Ort ab. Für Eigentümer und Investoren bleibt daher eine genaue lokale Analyse unverzichtbar.
Der Postbank Wohnatlas 2026 liefert damit Entscheidungsträgern und Marktteilnehmern eine differenzierte Landkarte der zu erwartenden Wertentwicklung für Eigentumswohnungen in Deutschland. Wer in Immobilien investieren oder Marktchancen prüfen will, sollte die regionale Dynamik und die demografischen Perspektiven als zentrale Orientierung nutzen.

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